Hermannjosef ROOSEN, ICV/VDB/ICA/CED

Dirigent - Dozent - Komponist - Chorleiter

Was wollen wir eigentlich?

Richtet man Auge und Ohr in unsere Chorlandschaft so macht sich für mich, der versucht immer und immer wieder die Chormusik weiter nach vorne zu bringen, Resignation breit. Um Nachwuchskonzepte nicht nur auf dem Papier zu entwickeln, habe ich versucht, diese in meinen Chören umzusetzen und zwar mit einem riesen Erfolg an den unterschiedlichsten Orten und mit den unterschiedlichsten Menschen. So war es möglich Konzepete vorzustellen, die sich bewährt haben und einen sowohl unmittelbaren als auch mittelbaren Erfolg aufzeigten. Ein gemischter Chor beispielsweise, der Anfang diesen Jahres noch 29 Mitglieder hatte, hat mittlerweile wieder 50 junge Sängerinnen und Sänger in der Probe. Neue Ensembles gründen sich mit einer großen Anzahl junger Menschen, Liedergärten werden ins Leben gerufen, die Presse interessiert sich wieder für die Arbeit der Chöre, weil NEUES sich mit großem Erfolg abzeichnet und somit einen Nachrichtenwert bekommt, über den es sich zu berichten lohnt.

Versucht man nun dieses nachgewiesene Erfolgskonzept an Chöre oder Verbände weiterzugeben in der Hoffnung, dass sich auch dort etwas bewegen könnte, erfährt man Ablehnung oder Gleichgültigkeit. Die Argumente, warum neue Wege und Innovation im eigenen Chor oder auf Verbandsebene nicht umsetzbar sind, sind in den letzten zwanzig Jahren gleich geblieben und erheben sich zum Status von „Schutzbehauptungen“, darüber hinaus wirken sie auf mich ermüdend. Die Verwaltung von Chören wird zur Hauptsache erhoben und die Kollegen Chorleiter vermitteln große Kunst, die offenbar in einer großen Öffentlichkeit wenig Anklang findet. Es wird aber nicht nachgelassen, über Pseudoursachen zu sinnieren und man ist dann wirklich nicht zimperlich in den Schuldzuweisungen, warum angeblich junge Menschen nicht mehr singen wollen, was nun wirklich nicht stimmt.

Spricht man in Deutschland von „Chorgesang“ gibt es zwei Marken die unmittelbar damit in Verbindung gebracht werden: „Fischer-Chöre“ und „Menskes-Chöre“. Sowohl Gotthilf Fischer als auch Johannes Menskes haben es über Jahre hinweg verstanden, Chormusik populär zu machen. Mit diesen beiden Namen ist die Marke Chormusik in den letzten Jahren entstanden. Die großen Insider aber, nämlich unsere Chöre und Chorleiter wissen es natürlich besser – nur das Ergebnis stimmt nicht: Wo ist denn deren Marke Chormusik in einer bundesweiten Öffentlichkeit? Der bildliche Vergleich sei mir gestattet, dass sie wie Zwerge an einem Zaun stehen, sich hochziehen und zusehen müssen, wie die Sängerinnen und Sänger dieser beiden Chorleiter-Persönlichkeiten die Anerkennung der bundesweiten Öffentlichkeit ernten. Wer ist denn in diesem Zusammenhang der „Deutsche Chorverband“ in dem Funktionäre viel reden. Welches Image hat er im Verhältnis zu den vorher Genannten?

Wer hat sich denn bisher damit beschäftigt einmal unsere Chorlandschaft zu analysieren? Welcher Bedarf besteht bei wem? Wie muss unser Produkt (Chorgesang) aussehen, wenn ein Bedarf abgedeckt werden soll. Wie hoch ist der Wiedererkennungswert unserer Chormusik bei jungen Menschen, denn sie sollen ja in unsere Chöre kommen? Was und wen will ich mit meiner Chorarbeit erreichen?

Peggy Röder von der Firma Endemol Deutschland bringt es auf den Punkt: „Für mich ist Chormusik interessant, wenn sie mich berührt!“ Was bedeutet eine solche Botschaft, wenn man ehrlich damit umgeht?

Diese Beitrag wird in Kürze fortgesetzt.

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1 Kommentar

  1. Olaf Dörnenburg 3. März 2008

    Chapeau!

    Ich freue mich auf die Cantare „Men Voices“ – Sie hoffentlich auch auf uns 😀

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