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Wie überall in unserem Land klagt auch der Chor XYZ über fehlenden Nachwuchs. Junge Menschen interessieren sich nicht mehr für den Chorgesang und für das Singen. Die eigenen Sänger sind in die Jahre gekommen und die biologische Uhr tickt. Die einzelnen Stimmgruppen sind nicht mehr ausgeglichen besetzt. Konzerte werden schon lange nicht mehr veranstaltet. Hier und da wird noch einmal ein Ständchen gesungen. Geprobt wird allerdings noch nach wie vor noch jede Woche. Wie lange das noch gehen kann, weiß man nicht, denn der Chorleiter muss ja auch bezahlt werden und die vereinseigenen finanziellen Mittel werden durch den fehlenden Nachwuchs und der sinkenden Sängerzahlen immer geringer.

Im Nachbarort aber gibt es einen Chor in einer ähnlichen Situation. Vielleicht hilft hier eine Fusion mit diesem Chor. Die Vorstände unterhalten sich und man kommt zu einer Lösung: Wir fusionieren! Eine erste gemeinsame Probe bringt wieder das Funkeln in die Auge der aktiven Sänger: „Es klingt wieder wie früher!“ Es macht neuen Mut und ein gemeinsames Konzert wird geplant! Der musikalische Leiter XYZ wählt ein Thema, wie beispielsweise „Männerchöre lassen den Frühling erwachen“! Das Programm beinhaltet keine nennenswert neue Literatur. Schubert, Silcher, Opernchöre, Operettenchöre bilden hier den musikalische Inhalt.

Mit großem Eifer bemühen sich die Sänger Plakate aufzuhängen, Pressemitteilungen zu erstellen um für dieses Konzert zu werben. Mit Bienenfleiß versucht jeder einzelne Sänger, seine Karten in der gesamten Verwandtschaft und seiner näheren Umgebung zu verkaufen. Ja, es werden ganze Straßenzüge abgegangen, wo jede Wohnung besucht wird, um für das Konzert zu werben und Karten zu verkaufen. Mit vielfältigsten Begründungen wird jedoch freundlich erklärt, dass man diesen Termin leider nicht wahrnehmen kann.

Was ist passiert?

Beginnen wir mit dem Anfang. Durch diese Fusion beider Chöre ist ein Chor gestorben (aus zwei mach eins). Die aktiven Sänger sind dadurch nicht jünger geworden und der fehlende Nachwuchs hat sich auch nicht eingestellt. Im Klartext bedeutet das, dass die biologische Uhr weiter tickt. Man kann also nur hoffen, dass alle Aktiven sich für eine lange Zeit bester Gesundheit erfreuen, bis die Ausgangssituation wieder eintritt.

Auch die engagierte Werbung der Sänger ist wieder so, wie sie früher auch war. In einer Pressemitteilung stand sogar der Hinweis zu lesen, dass es sich wieder um einen „klassischen Männerchor“ handele. Dies ist ein deutlicher Hinweis für die breite Öffentlichkeit, dass sich durch diese Fusion absolut nichts geändert hat.

Das vorbereitete musikalische Programm entspricht nicht dem allgemeinen Geschmack der Zielgruppe in der Bevölkerung, die ich erreichen möchte. Es wurde durch den musikalischen Leiter bestimmt, der durch mangelnde Fortbildung bedingt, auch nur über eine begrenzte Literaturkenntnis verfügt oder andere, publikumswirksamere Literatur nicht zulässt.

Eine Fusion ohne Änderung des bisherigen Genres ist für diese Chöre ein weiteres Sterben auf Zeit! In der Humanmedizin würde man sagen: „Lebensverlängernde Maßnahmen!“

Mit Verstand lese man sich den nachstehenden Artikel durch (klicken auf das Bild):

Heimatklänge


Hier das Beispiel das Männerchorgemeinschaft Velbert:

Seit 2012 haben hier insgesamt vier Chöre zu einem neuen mit jetzt 45 Mitglieder fusioniert. Teilt man diese Sänger durch vier, ………! Im Klartext bedeutet das, das drei Chorgemeinschaften gestorben sind. Aber was änder sich mit dieser Chorgemeinschaft? Eigentlich nichts! Er wird so weiter gemacht, wie bisher nur mit dem Unterschied, dass man wieder singfähig ist. Deswegen kommen keine neuen Mitglieder oder gar junge Menschen. Das Image ist und bleibt verstaubt, da sich an der anzubietenden Musik nichts ändert. Mit dem Hinweis auf das zu erwartende Konzertprogramm spricht man von „Gassenhauern“ wie beispielweise der „trunkene Seemann“, was immer das sein mag.

Welche Hilfen werden diesen Chören durch Dachverbände und sonstige Institutionen gegeben?

Die Hilfen sind sehr übersichtlich, wie man aus diesem WDR-Beitrag entnehmen.
Man sieht in den Verbänden (Studiogespräch mit Andreas Imgrund, Kreissängervereinigung Solingen) die Vorsicht, die Ratlosigkeit und den fehlenden Mut neue Wege gehen zu wollen. Bestandspflege, Ideenlosigkeit, Beibehaltung alter Strukturen und Formen, Erinnerungen an die Vergangenheit sind nicht die Instrumente, die eine tradierte Chorgemeinschaft auf Jahre hinaus zukunftsfähig machen. Den „Istzustand“, nämlich der fehlende Nachwuchs in unseren Chorgemeinschaften, haben uns die vorher genannten Attribute beschert. Auch in noch großen Chören tickt die biologische Uhr!!!! Im Klartext bedeutet das, dass wir von Verbänden und Institutionen keine bzw. nur wenig Hilfe zu erwarten haben.

Die Frage, die sich Herr Imgrund stellen sollte ist doch die:

Wie viele Chöre haben zum Jahresbeginn bzw. im vergangenen Jahr ihre Aktivitäten eingestellt und wie viele Chöre haben sich durch Fusionen mit anderen Chören aus Gründen der Überalterung und der fehlenden Mitglieder zusammengeschlossen, um überhaupt noch singen zu können?

Hier können wir zahlreiche Beispiele nicht nur aus unserem näheren Umfeld nennen! Etwas schön zu reden nutzt hier wenig. Auch der Hinweis auf viele neue und junge Chöre in NRW hilft den in Not geratenen nicht. Offensichtlich will man die Zeichen der Zeit nicht erkennen!

Recht hat er mit dem Bemerken, dass es gut ist, wenn Chöre etwas verändern wollen. Doch leider widerspricht er sich in diesem Interview häufiger, was von einer vorhandenen Ratlosigkeit zeugt. Ein Chor, der viele Länder dieser Erde bereist und dabei viele Freunde gefunden hat, hat Problem mit der Fremdsprachigkeit? Soll man den Hinweis auf viele neue und junge Chöre so verstehen, dass man die alten Chöre sterben lassen will, weil man ihnen keinen Rat mehr anbieten kann? Ist das die Intention seiner Sängerkreisvereinigung Solingen oder gar des Chorverbandes NRW, in dessen Namen er auch sprach? Aber sicher hofft er auf die Lösung von oben nach dem kölschen Motto: „Et hätt noch immer jot jejange!“ Leider zeigt die Realität, wie vorher beschrieben ein anderes Bild, die diese Zuversicht nicht untermauert!

Es gibt aber auch andere Beispiele von Chören, die die Zeichen der Zeit erkannt und reagiert haben:

Horbacher Chöre

Aus dem ehemaligen MGV Edelweiß Horbach e.V, einem bekannten Wettstreitchor auf hohem Niveau, wurden die eine vokale Holding der Horbacher Chöre.

Klickt man auf diese wirklich schön gestaltete Website, macht man sich um die Zukunft dort keine Sorgen mehr.


Hattinger Sängervereinigung

Auch aus dem ehemals alleinigen Männerchor wurde ebenfalls eine vokale Holding mit heute wieder über 90 Mitglieder. Der Aufbau steht erst am Anfang.

Mit Sicherheit müssen die Verantwortlichen sich keine Sorgen mehr um die Zukunft machen. Junge Menschen wollen singen in unterschiedlicher Ausrichtung.


Grundlage ist mein Nachwuchskonzept „Mein Chor im Jahre 2020“ von dem hier schon oft berichtet wurde. Es gibt noch eine große Anzahl ähnlicher Beispiele!

Fusionen sind keine Lösung, sondern nur ein Chorsterben auf Zeit.